Start

Neues

Über uns

Termine

Projekte

Literatur

Bildergalerie

Pressespiegel

2024
2023
2022
2021
2020
2019
2018
2017
2016
2015
2014
 

2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003

2002
2001
2000
1999
1998
1997
1993
1992
1991
1990

Publikationen

Kontakt

Links





15. November 2020

Qualvolle Stunden im Pranger von Oschatz


Dora von Nessen wurde am 19. September 1940 im Oschatzer Pranger zur Schau gestellt – als „ehrlos gewordene Frau“. Die Lehrer wurden aufgerufen, mit ihren Schulklassen die junge Frau zu begaffen und zu beleidigen.

Heute vor 109 Jahren wurde Dora von Nessen geboren. Die Oschatzer Heimatforscherin Gabriele Teumer hat die Leidensgeschichte von Dora von Nessen und anderer Frauen, die wegen Beziehungen zu Kriegsgefangenen im Oschatzer Pranger 1940 zur Schau gestellt oder die 1944 in einem Schauprozess verurteilt wurden, unter dem Titel „Ohne Haar und ohne Würde“ aufgeschrieben (siehe Kasten rechts). Im Interview erzählt Gabriele Teumer, wie sie auf diese Leidensgeschichten gekommen ist und warum sie diese Frauenschicksale tief bewegt haben.


Plakat mit nationalsozialistischer Propaganda um 1938. Dora von Nessen wurde auf der Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ zwangssterilisiert.
Quelle: Deutsches Historisches Museum, Berlin


Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Als wir im Verein 2005 die Ausstellung zum Strafgefangenenlager Stalag IVG in Oschatz vorbereitet haben, haben wir über die LVZ nach Fotos gesucht. Da bekamen wir zwei Fotos von Jutta Berger aus Mügeln, die ihr Vater gemacht hatte und die eine Frau im Oschatzer Pranger zeigten. Aber sie hatte keine weiteren Informationen zu den Bildern. Der Heimatforscher Wolfgang Michael stieß schließlich auf den Namen dieser Frau – Dora von Nessen. Das war für mich der Anknüpfungspunkt, und ich habe weiter recherchiert. Dabei bin ich auf ähnliche Schicksale von Frauen gestoßen, die damals verbotenen intimen Kontakt zu Kriegsgefangenen gehabt hatten.

Gab es Zeitzeugen oder Verwandte von Dora von Nessen, die Sie bei der Recherche unterstützt haben?

In ihrem Geburtsort Fuchshain habe ich noch Verwandte gefunden und bin dahin gefahren – natürlich mit Herzklopfen. Ich habe mit ihrem Lieblingsneffen ganz in Ruhe sprechen können. In der Familie war es bekannt, dass sie zwangssterilisiert war. Es war aber nicht bekannt, dass sie im Oschatzer Pranger gewesen war – das hat sie nicht erzählt.

Was war Dora von Nessen für eine Frau?

Sie war klein, zart und verängstigt. Das Schüchterne und Zurückgezogene muss in ihrer Kindheit begründet gewesen sein. Sie hatte sehr schlechte Schulnoten und war dadurch sicher immer etwas ins Hintertreffen geraten. Das war wahrscheinlich auch ein Grund, warum man sie in der Schule nicht weiter gefördert hat. Als sie älter wurde, hat sie sich bemüht, auf eigenen Beinen zu stehen. Aber der Makel, dass sie als junge Frau zwangssterilisiert worden war, wird wieder ihr Selbstbewusstsein geschwächt haben. Als sie dann ihren Mann kennen lernte und mit ihm in Calbitz lebte, war das für sie etwas ganz Wichtiges. Sie konnte sich zum ersten Mal entfalten und ihr eigenes Leben leben. Aber als dann die Sache mit dem Pranger war, wurde sie wieder zurück geworfen.


Die Autorin Gabriele Teumer


Was hat Sie an dem Schicksal der Dora von Nessen am meisten berührt?

Mich hat die ganze Geschichte sehr berührt. Besonders, dass sie zwangssterilisiert wurde – einfach aus dem Grund, weil sie schlechte Noten in der Schule hatte.

 

Wie würde man in der heutigen Zeit das geistige Leistungsvermögen dieser Frau, der damals „angeborener Schwachsinn“ bescheinigt wurde, einordnen?

Man würde das heute als Lese-Rechtschreib-Schwäche bezeichnen. Es gibt hochintelligente Menschen, die Legastheniker sind. Heute erkennt man das und fordert und fördert sie. Das hat man bei ihr wahrscheinlich versäumt. 

Frauen aus der Region Oschatz, die sich mit Kriegsgefangenen eingelassen hatten, wurden oft von Nachbarn oder Bekannten denunziert. Warum?

Das kann ich natürlich nicht nachvollziehen, da ich nicht in die Köpfe dieser Leute schauen kann. Es gab Denunzianten, die so etwas wegen kleiner Nachbarschaftsstreitigkeiten gemeldet haben. Es soll auch Männer gegeben haben, die von diesen Frauen abgewiesen worden waren, und sich dann gerächt haben.

Als Dora von Nessen am 19. September 1940 kahlgeschoren im Oschatzer Pranger als „ehrlos gewordene Frau“ zur Schau gestellt wurde, empfingen sie die Oschatzer mit lautem Pfui-Geschrei. Warum hatten die Oschatzer kein Mitleid mit dieser Frau?

Es gab sicherlich auch Menschen, denen das leid getan hat und die da nicht hingegangen sind. Das war ja eine reine Propaganda-Veranstaltung. In den Zeitungen wurde immer und immer wieder geschrieben, dass man sich mit Kriegsgefangenen nicht einlassen sollte. Dass man die nicht mit am Tisch essen lassen soll. Das wurde so richtig in die Köpfe gehämmert. Dann kam noch dazu, dass sich Dora von Nessen mit einem polnischen Kriegsgefangenen eingelassen hatte. Die wurden in dieser Zeit als Untermenschen bezeichnet. Und da gab es eben einen großen Teil der Menschen, der dieser Propaganda geglaubt hat.

Auch heute werden Minderheiten ausgegrenzt und Extreme formulieren Hassbotschaften. Könnten sich solche Gräueltaten wie in Oschatz vor 80 Jahren wiederholen?


Dora von Nessen zu ihrem 90. Geburtstag mit ihrem Lebenspartner im Pflegeheim Leipzig

Das ist eine schwere Frage. Heutzutage werden immer noch Menschen sinnbildlich an den Pranger gestellt, die es nicht verdient haben. Da wird sich leichtfertig ein Urteil gebildet über Dinge, über die man gar nicht genau Bescheid weiß, was in Wirklichkeit passiert ist oder weil man der Mehrheits-Meinung folgt.

Im hohen Alter hat Dora von Nessen in einem Leipziger Pflegeheim noch einmal ein kleines Glück mit einem Lebenspartner gefunden. Ende gut, alles gut?

Ein bisschen schon. Ich glaube, sie hat mit dieser Partnerschaft im Alter ihren Frieden gefunden. Diese Partnerschaft – so sehen das wohl auch ihre Verwandten – hat ihr eine gewissen Ruhe verschafft.

Interview: Frank Hörügel
 


Das Heft „Ohne Haar und ohne Würde – Oschatzer Frauen- schicksale im Nationalsozialismus 1940 - 1945“ von Gabriele Teumer erscheint in der Reihe „Oschatzer Geschichte(n)“ und wird vom Oschatzer Heimat- und Geschichtsverein heraus- gegeben. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten und die Oschatzer Wohnstätten GmbH unterstützen die Publikation, die im Dezember erhältlich sein wird.


Berührender Einblick in grausame Zeit

Oschatz. In eine unmenschliche Zeit vor gerade mal 80 Jahren blickt die Oschatzer Heimatforscherin Gabriele Teumer in ihrem neuen Heft „Ohne Haar und ohne Würde. Oschatzer Frauenschicksale im Nationalsozialismus 1940-1945“ zurück. Das Schicksal der geborenen Fuchshainerin Dora von Nessen steht im Mittelpunkt des 74-seitigen Heftes, das mit Originalfotos und Dokumenten illustriert ist.
Dora von Nessen (geborene Klöthe) fiel das Lernen schwer, sie blieb zwei Mal sitzen. Ihr Schulleiter in Fuchshain attestierte dem Mädchen: „Mir kam sie stets als geistig sehr schwach vor, ich will nicht direkt sagen bildungsunfähig.“ Dieses Schulgutachten hatte für das Mädchen verheerende Folgen. Auf der Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde sie am 17. April 1936 im Wurzener Krankenhaus zwangssterilisiert. Doch die junge Frau ließ sich nicht unterkriegen, nahm eine Arbeit im Rittergut Calbitz-Kötitz an. Hier hatte sie mit ihrem Mann Walter von Nessen, mit dem sie seit dem 28. November 1937 verheiratet war, ein paar gute Jahre.
Und dann griff das NS-Regime ein weiteres Mal in das Leben von Dora von Nessen ein. Ihr Mann wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen. In der gleichen Zeit trafen in Deutschland die ersten polnischen Kriegsgefangenen ein, die auch im Rittergut Calbitz arbeiten mussten. Und mit einem dieser Kriegsgefangenen bandelte Dora von Nessen an. Sie wurde vom Calbitzer Ortsgruppenleiter angezeigt, da der Kontakt mit Kriegsgefangenen verboten war. Zur Strafe wurde sie am 19. September 1940 im Oschatzer Pranger zur Schau gestellt. Eine Zuchthausstrafe, wie sie andere Frauen in ähnlichen Fällen erleiden mussten, blieb Dora von Nessen erspart. Nach der Scheidung von ihrem Ehemann kehrte sie wieder nach Fuchshain zurück, arbeitete in einer Verzinkerei und lebte im Kreis ihrer Familie. Im Alter von 91 Jahren starb Dora Nessen im Jahr 2003.
Frank Hörügel


03. November 2020

Oschatzer Heimatfreunde in Leuben
Schlossbesitzer führen durch ihren neuen Wohnsitz


Mitglieder des Heimatvereins Oschatz mit den Schlossbesitzern Marion und Leo von Sahr (vorn) auf der Treppe vor dem Schloss.
 

Von Frank Hörügel

Oschatz/Leuben. Glück gehabt: Gerade noch rechtzeitig vor den seit gestern geltenden Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie unternahmen die Mitglieder des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins kürzlich einen Ausflug zum Schloss Leuben. Hier ließen sie sich von den Eigentümern Marion und Leo von Sahr die öffentlich zugänglichen Räume des ehemaligen Herrenhauses zeigen und die Geschichte des Hauses erläutern.

„Wir fühlen uns geehrt, dass der Oschatzer Geschichts- und Heimatverein uns besucht“, sagte Marion von Sahr. Vor drei Jahren kaufte das Ehepaar von Sahr das Schloss und wohnt seit knapp einem Jahr mit seinen zwei Söhnen hier. „Ohne die Unterstützung des Schlossvereines Leuben wäre das nicht möglich gewesen, es ist ein wunderbares Miteinander“, so Marion von Sahr. Nach der Winterpause sollen im nächsten Jahr wieder öffentliche Führungen angeboten werden. Auch Lesungen und Konzerte sind geplant, nachdem die Corona-Pandemie eingedämmt ist.
Besonderes Interesse fand bei den Oschatzer Heimatfreunden das restaurierte Mobiliar, das zum Teil noch aus dem Schloss Dahlen stammt. Denn der Vater von Leo von Sahr von Schönberg war der letzte Schlossbesitzer von Dahlen bis zur Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Nach dem Rundgang luden die Schlossbesitzer die Oschatzer Heimatfreunde noch zum Fachsimpeln bei Brezeln und Getränken ein.

 

04. September 2020

Kriegsgefangene in Oschatz: Ausstellung im Rathaus erinnert
Gabriele Teumer vom Heimat- und Geschichtsverein stellt bei zwei Führungen
berührende Schicksale vor


Gabriele Teumer (r.) führt durch die Ausstellung zu Kriegsgefangenen im Rathaus Oschatz.

Von Frank Hörügel

Oschatz. Bei den Nachfahren von Tausenden Kriegsgefangenen aus der ganzen Welt weckt der Name Oschatz unangenehme Erinnerungen. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges befand sich hier das Hauptquartier des Kriegsgefangenen-Stammlagers Stalag IV G.
Auf Initiative des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins führte in dieser Woche Vereinsmitglied Gabriele Teumer an zwei Abenden Geschichtsinteressierte durch die Ausstellung „Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg im Raum Oschatz“, die sich im Kellergeschoss des Rathauses befindet.
Seit Mitte der 90er Jahre recherchiert Gabriele Teumer zu diesem Thema. Eine E-Mail mit der Anfrage, ob das Kriegsgefangenenlager in Oschatz noch bestehe, weckte damals ihr Interesse. „Da habe ich zum ersten Mal davon gehört“, sagt sie. Zusammen mit dem Heimatforscher Gerhard Heinz forschte sie. 2005 konnte schließlich die Ausstellung eröffnet werden.
Die Kriegsgefangenen, die zum Beispiel aus den USA, Großbritannien, Australien oder Südafrika kamen, wurden in Oschatz in Arbeitskommandos eingeteilt. Sie mussten unter anderem im Oschatzer Betonwerk, in der Filzfabrik und Zuckerfabrik schuften. „Sie litten unter Mangelernährung und schlechten hygienischen Bedingungen“, weiß Gabriele Teumer.
In den vergangenen Jahren hat sie immer wieder die Kinder und Enkel dieser Kriegsgefangenen in Oschatz zu Gast gehabt, die etwas über das Schicksal ihrer Väter und Großväter erfahren wollten. „In diesem Jahr war der erste Urenkel da, der wissen wollte, wie es seinem Urgroßvater ergangen ist“, erzählte die Heimatforscherin. Die Nachfahren haben ihr auch Tagebuchaufzeichnungen der ehemaligen Kriegsgefangenen zur Verfügung gestellt. Damit wird die Geschichte der Oschatzer Kriegsgefangenen authentisch.

 

26. Juni 2020

Oschatzer Heimatfreunde im Wermsdorfer Wald
Wolfgang Niemann führt durch das Kulturlandschaftsmuseum am Kirchenteich


Wolfgang Niemann erläutert den Mitgliedern des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins, wie die Turmhügelburg im Kulturlandschaftsmuseum des Wermsdorfer Waldes früher ausgesehen hat.

Von Frank Hörügel

Wermsdorf/Oschatz. Hier ist Wolfgang Niemann in seinem Element. Im Kulturlandschaftsmuseum mitten im Wermsdorfer Wald kennt der 66-Jährige jeden Baum und jeden Stein. Einen Teil seines Wissens gab der Vorsitzende der Friedrich-Gustav-Klemm-Gesellschaft am Mittwochabend an 17 Mitglieder des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins während einer zweistündigen Führung durch das Kulturlandschaftsmuseum weiter.
Wo heute große Laub- und Nadelbäume ihre Schatten werfen, sah es zwischen den Jahren 1200 und 1400 noch ganz anders aus. Deutsche Siedler rodeten Teile des Waldes und legten hier das Dorf Nennewitz an, das aber Ende des 14. Jahrhunderts wieder verlassen wurde.
Unter Leitung von Professor Gerhard Billig, der 2019 im Alter von 91 Jahren gestorben ist, fanden ab 1968 hier Ausgrabungen statt. Dabei kamen unter anderem die Reste einer um 1220 errichten Dorfkirche, einer Turmhügelburg und eines Friedhofes zum Vorschein.
Die Mitglieder der Friedrich-Gustav-Klemm-Gesellschaft – aktuell sind es 94 – haben in den vergangenen Jahren den Grundriss der Dorfkirche rekonstruiert, das Mauerwerk der Turmhügelburg nachgestaltet, ein Waldklassenzimmer am Parkplatz Kirchenteich angelegt und Informationstafeln an wichtigen Punkte des Kulturlandschaftsmuseums aufgestellt.
Seit dem Jahr 2014 dürfen die Vereinsmitglieder nicht mehr graben – obwohl hier noch jede Menge Zeugen der Geschichte unter der Erde liegen. „Wenn wir hier alles ausgraben wollten, müsste ich 150 Jahre alt werden“, sagte Niemann. Weil die Hobby-Archäologen nicht mehr zum Spaten greifen dürfen, widmen sie sich nun ganz dem Erhalt und der Pflege des Museums unter freiem Himmel. Umso mehr ärgern sich die Vereinsmitglieder über mutwillige Zerstörungen, wie sie jetzt am Waldklassenzimmer entdeckt wurden. Vermutlich waren es frustrierte Fußballfans, die hier Schriftzüge wie „Vandals Dynamo“ hinterlassen und versucht haben, die Holzbänke anzuzünden. „Als wir das gesehen haben, waren wir ziemlich entsetzt“, sagt Niemann.
Auch beim diesjährigen Sommerlager des Vereins, für das wahrscheinlich ab 20. Juli die Zelte aufgebaut werden gibt es also jede Menge zu tun. Ein Hygienekonzept sei bereits eingereicht worden. Mit den Abstandsregelungen werde es jedenfalls kein Problem geben, sagte Niemann. Im Wermsdorfer Wald gibt es genügend Platz.

 

09./10. Mai 2020

Oschatzer gedenken mit Blumen des Kriegsendes



An das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren gedachten gestern Gabriele Teumer im Namen des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereines und der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar. Sie legten gemeinsam Blumen und einen Kranz zu Füßen des Ehrenmals im Stadtpark nieder. Auch die Linkspartei hatte zum Gedenken an die Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus am 8. Mai 1945 aufgerufen. Eine Gedenkveranstaltung – wie in den Vorjahren üblich – gab es vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Kontaktbeschränkungen zum 75. Jubiläum nicht. Die Linkspartei kündigte an, ein gemeinsames Gedenken im Herbst nachholen zu wollen.

Text: Frank Hörügel

 

04. Mai 2020

David Kidd: „Wir nahmen das Oschatzer Rathaus in Besitz“
Ehemaliger Kriegsgefangener aus England bekommt Anfang Mai 1945
vom Bürgermeister die Schlüssel übergeben


Von Gabriele Teumer*

Oschatz. Was passierte in Oschatz in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren? Es gibt nur wenige Berichte von Zeitzeugen. Einer davon ist David Kidd, ein englischer Kriegsgefangener, der am 26. Oktober 1943 im Lager Mühlberg ankam und später über das Kriegsgefangenenlager Stalag IVG Oschatz in ein Arbeitskommando nach Leipzig überführt wurde. Er hat die Erinnerungen an seine Kriegsgefangenschaft 1986 in einem Buch veröffentlicht. Es sind die ersten Aufzeichnungen vom Ende des Krieges in Oschatz aus der Sicht der Alliierten.

Anfang Mai 1945 bekam der nun seit Ende April befreite Kriegsgefangene David Kidd die Order seines englischen Vorgesetzten, die Unterlagen des Stalag IVG in Oschatz zu beschaffen. Es sollte eine Kleinigkeit sein, doch letztendlich wurde es zu einer Mission ohne Ergebnis.
Hier die Übersetzung einiger Passagen des letzten Kapitels aus seinem Buch „POW“, ’Prisoner of War’ – übersetzt: Kriegsgefangener. „Am 25. April trafen sich Amerikaner und Russen in der Nähe von Torgau und machten Bilder vom Händeschütteln, das gute Freunde und Verbündete zeigte. Hitler verübte am 30. April Selbstmord. Der Krieg in Europa war weg wie der Regen auf dem Pflaster.“ Von seinem Major erhielt David Kidd in der ersten Maiwoche den Auftrag, alle Berichte aus dem Hauptquartier vom Stalag IVG in Oschatz zusammenzutragen. Mit einem Jeep fuhren er und Sergeant Karalas von Leipzig los.
Auf halbem Weg nach Oschatz wollten sie die Mulde überqueren. „Wir fanden nur noch Fragmente, die über den Fluss führten.“ Schließlich fanden sie noch einen Weg, um über den Fluss zu kommen und übernachteten schließlich in einem Dorf, das von amerikanischen Truppen besetzt war. „So schlossen wir uns ihnen an. Die Einheit hatte Kontakt zu Russen. Diese waren sehr freundlich. Wir quartierten uns in ein Haus eines Ehepaares ein, die in den Keller zogen.“
Am nächsten Morgen gab es ein amerikanisches Frühstück mit Fruchtsaft, Cornflakes, frischer Milch, Kaffee mit Kaffeesahne, gekochten Eiern, Ahornsirup, frischem Brot und Butter. Nach dem Frühstück zeigten die Armeeangehörigen David Kidd und seinem Begleiter die Karte und wünschten ihnen viel Glück. „Nach einer halben Stunde kamen wir nach Oschatz. Die Tatsache, dass die Stadt verlassen und still war, machte keinen Eindruck auf uns. Wir waren das gewöhnt. Mit der Zeit erschienen immer mehr weiße Fahnen an den Fenstern.“
Kidd stoppte den Jeep. „Etwa ein halbes Dutzend Menschen gingen langsam die Straße entlang und trugen weiße Fahnen. Sie sahen ängstlich aus und trugen ihre beste Kleidung. Wir saßen still und warteten. Sie kamen zum Jeep. Ihr Anführer, ein grauhaariger alter Mann kam auf uns zu und begann eine Rede zu halten. ,Was sagt er?’, fragte Karalas. Ich wartete, bis der alte Mann fertig war und gab meinem Compagnon eine etwaige Übersetzung. Er ist der Bürgermeister. Er sagte, dass er im Namen der Bürger der Stadt uns willkommen heißt und dass er befugt ist, die Stadt zu übergeben. Er hofft, dass wir seine Worte akzeptieren werden, dass keine Nazis in der Stadt sind und dass sie immer freundlich zu den Kriegsgefangenen gewesen sind.“
Kidd erinnert sich, dass der Bürgermeister einen Schlüsselbund in der Hand hielt und ihnen die Schlüssel des Rathauses übergeben wollte. „Wir nahmen formell das Rathaus in Besitz und während ich blieb, um mich zu unterhalten, fuhr Karalas wegen der Unterlagen zum Stalag.“
Kidd verbrachte die Zwischenzeit mit drei sehr jungen Mädchen aus Rumänien, die auf dem Weg von einem Konzentrationslager zum anderen fliehen konnten. „Sie hatten ihre Eltern auf dem Weg in die Gaskammern gesehen. Ihre Augen saßen tief in ihren schmalen Gesichtern, die eine frühreife Klugheit zum Ausdruck brachten. Ich weiß nicht, was aus ihnen wurde.“
Karalas kam erst Stunden später zu Fuß zurück und war sehr aufgeregt. „Einige Bastards sind mit meinem Jeep auf und davon“, brachte er mit aufgeregter Stimme hervor. „Während eines Gesprächs am Nachmittag wurde ich informiert, dass die Russen ganz nahe seien und bald erwartet würden. Wir gingen für die Nacht in ein verlassenes Haus. In der Nacht kamen die Russen an. Sie fegten durch die Stadt wie eine Horde Indianer. Im Morgengrauen waren sie weg. Ich weiß nicht, wohin und warum. Wir machten uns auf den Weg durch die Stadt auf der Suche nach einem Transportmittel.“ Doch sie fanden keinen fahrbaren Untersatz und machten sich zu Fuß auf den Rückweg nach Leipzig.
Erst am dritten Tag, nachdem sie in Richtung Oschatz aufgebrochen waren, konnten sie ihrem Major berichten. Sie waren müde, kamen ohne Unterlagen vom Oschatzer Kriegsgefangenenlager und ohne Jeep zurück. „Jeder war ärgerlich, keiner glaubte unsere Story und am nächsten Tag war Frieden.“
Am 14. Mai saß David Kitt mit anderen ehemaligen Kriegsgefangenen in einem Passagier- und Transportflugzeug Dakota mit Ziel England. „Es roch nach Benzin und ich beobachtete die auf und abgehenden Flügel auf dem Flug von Halle nach Brüssel. Der Pilot blieb meist tief genug, um uns einen Blick auf die verwüsteten Städte freizugeben. Ich erinnere mich noch an Köln, wo Millionen von Glasteilchen in der Luft glitzerten. Am folgenden Tag hoben wir nach England ab und 75 Minuten später schaute ich aus dem Fenster, als wir über den Kanal flogen. Schließlich sahen wir am Horizont die weißen Kreidefelsen von Dover. Und ich weinte wie ein Kind.“
Die Aufzeichnungen von David Kidd geben viele Details über die Lage in Oschatz wider. Er beschreibt die schnelle Ankunft und das gleichermaßen schnelle Verwinden der Sowjets, die am 6. Mai in Oschatz ankamen und gleich wieder weitergezogen sind. Am 7. Mai war der Beginn der Prager Operation. Innerhalb einer Stunde, das geht aus verschiedenen Aufzeichnungen, Erzählungen und Tagebüchern hervor, verließen die sowjetischen Truppen die Stadt. Bewegend sind auch David Kidds Aussagen über zwei rumänische Mädchen, die einem Todesmarsch, der durch Oschatz führte, entrinnen konnten.
In Oschatz herrschte in diesen Tagen eine große Unsicherheit, Angst und keine Klarheit, wie es weitergehen soll. Läden und Wohnhäuser blieben verschlossen aus Angst vor Plünderungen; der Geschäftsbetrieb im Rathaus ruhte vollständig.

*Die Autorin Gabriele Teumer ist Mitglied des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins. Sie hat intensiv zum Kriegsgefangenenlager Stalag IVG Oschatz geforscht.

 

05. März 2020

Ausgezeichnete Oschatzer
Die Stadt ehrt zehn ehrenamtliche Heimatforscher und Kirchen-Förderer
mit einem Eintrag ins Oschatzer Ehrenbuch



Das alte Ehrenbuch der Stadt Oschatz von 1905. Die jetzt Geehrten haben
sich in das neue Buch eingetragen, das es seit 1988 gibt. Fotos: Frank Hörügel (9), Manfred Schollmeyer (1)

Oschatz.Das Ehrenbuch der Stadt Oschatz ist um ein Kapitel reicher: Zwei Frauen und acht Männer durften sich am Mittwochabend im historischen Ratssaal in das Buch eintragen. Diese Oschatzer wurden für die Bewahrung des kulturellen und historischen Erbes ausgezeichnet. „Es ist eine der allerhöchsten Auszeichnungen der Stadt Oschatz“, sagte Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos).

■ 1. Gudrun Kohlbach (Rettet St. Aegidien): Seit 1995 verwaltet sie die Finanzen des Vereins. Laut Hans-Günter Sirrenberg gingen in ihrer Zeit über drei Millionen Euro von 402 Spendern über ihren Tisch. Gudrun Kohlbach habe sich mit „Eifer, Ideenreichtum und Freude“ engagiert.

■ 2. Dieter Köhncke (Rettet St. Aegidien): Von 1991 bis 2016 war Köhncke Vereinsvorsitzender. Köhncke habe sich besondere Verdienste bei der fachlichen Beratung zur baulichen Rettung der Stadtkirche erworben und beteilige sich bis heute am Türmerdienst.

■ 3. Eberhard Starke (Rettet St. Aegidien): Der Bäckermeister hat sich besonders um das leibliche Wohl der Aegidien-Retter verdient gemacht. Seit 2005 stellte er jede Woche frischen Kuchen für die Türmerwohnung zur Verfügung.

■ 4. Berthold Zehme (Rettet St. Aegidien): Der Pfarrer in Rente ist seit 1989/1990 die Triebfeder bei der Rettung der Aegidienkirche. „Es war und ist Bertold Zehme aber wichtig, nicht nur ins Gebäude alle Kraft zu stecken, sondern auch die Menschen dabei nicht zu vergessen“, so Sirrenberg.

■ 5. Dr. Manfred Schollmeyer (Geschichts- und Heimatverein Oschatz): Zusammen mit dem Verein hat er bisher 14 Publikationen verfasst. „Er geht immer bis an die Wurzel der Geschichte, schreibt niemals ab, ohne es vorher auf die richtige Quelle zu prüfen“, sagte Oberbürgermeister Andreas Kretschmar.

■ 6. Gabriele Teumer (Geschichts- und Heimatverein Oschatz): Die langjährige Vereinsvorsitzende habe sich „mit viel Herzblut für den Verein und seine Mitglieder“ engagiert, so Kretschmar. Vier Publikationen habe sie zusammen mit dem Verein heraus gegeben. Hervorzuheben sei ihre Forschung zum Kriegsgefangenenlager Stalag IVG in Oschatz.

■ 7. Herbert Berndt (Heimatforscher): Von 2014 bis 2019 war er Vorsitzender des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins. Besondere Verdienste hat sich Berndt mit der Forschungsarbeit über die Geschichte der Häuser in der Oschatzer Innenstadt und den Vorstädten erworben. Die Ergebnisse füllen 2772 Seiten.

■ 8. Hermann Schöne (Heimatforscher): Hauptverdienst des Kleinforsters ist die Forschung zur Geschichte dieses Oschatzer Stadtteils, die in einem Buch mündete.

■ 9. Wolfgang Michael (Geschichts- und Heimatverein Oschatz): Zusammen mit dem Verein hat er drei Publikationen über die Zeit von 1928 bis 1945 in Oschatz heraus gegeben und weitere Forschungsbeiträge zu stadtgeschichtlichen Themen veröffentlicht.

■ 10. Horst Kohl (Geschichts- und Heimatverein Oschatz): Der gebürtige Hamburger mit Oschatzer Wurzeln gestaltet von seinem heutigen Wohnort Rio de Janeiro (Brasilien) aus seit 2001 ehrenamtlich die Internetseite des Vereins.

Oschatzer Ehrenbücher

Das erste Ehrenbuch beginnt mit dem Eintrag des sächsischen Königs Friedrich August am 29. März 1905 und wurde bis 1966 geführt. Das zweite Ehrenbuch gibt es seit der 750-Jahrfeier in Oschatz 1988. In das zweite Ehrenbuch habe sich die geehrten am Mittwoch eingetragen.

Kommentar
von Frank Hörügel
Ohne diese zehn Frauen und Männer wäre Oschatz nicht die Stadt, die sie heute ist. In der Geschichtsforschung der knapp 800 Jahre alten Kommune würden noch große Lücken klaffen. Und die Rettung der St. Aegidienkirche hätte sich wahrscheinlich auch viel länger hingezogen, ganz zu schweigen von der liebevoll restaurierten Türmerwohnung. Die Oschatzer sind den ehrenamtlich Engagierten, die am Mittwochabend im historischen Ratssaal mit dem Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt ausgezeichnet wurden, deshalb zu großem Dank verpflichtet. Diese Auszeichnung hat ein größeres Gewicht als finanzielle Zuwendungen oder Gutscheine. Denn der Eintrag ins Ehrenbuch hat Bestand – und wird auch künftige Generationen an diese zehn Frauen und Männer erinnern.
Apropos künftige Generationen: Die suchte man unter den Ausgezeichneten vergeblich. Das ist hoffentlich kein Zeichen dafür, dass bei den Jüngeren ehrenamtliches Engagement nicht mehr so hoch im Kurs steht. Denn es gibt auch in den nächsten Jahrzehnten sowohl bei der Heimatforschung als auch bei der Bewahrung der Oschatzer Stadtkirche noch jede Menge zu tun.
 

Siehe auch Bildergalerie


07. Februar 2020

Oschatz im Wandel

Etwas grauer, aber belebter als heute: So sah die Stadt Oschatz Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Der Oschatzer Heimatforscher Dr. Manfred Schollmeyer stellt in seinem neuen Buch „Oschatz Gestern & Heute“ historische und aktuelle Fotos von 55 Straßen, Plätzen und Häusern gegenüber. Zur Buchvorstellung am Mittwochabend zeigte sich das große Interesse der Oschatzer an dieser Publikation. Rund 100 Gäste kamen ins Thomas-Müntzer-Haus, nach Angaben der Buchhandlung Roscher wurden allein an diesem Abend 60 Bücher verkauft, weitere sind in der Buchhandlung vorrätig.

Die Gesamtauflage des Buches, das im Erfurter Sutton-Verlag erscheinen ist, beträgt 1100. Dafür, dass die Straßen und Plätze früher belebter waren als heute, hatte der Autor Manfred Schollmeyer eine plausible Erklärung: „Dass auf den aktuellen Fotos kaum Menschen zu sehen sind, hat etwas mit dem Datenschutz zu tun. Das erschwert die Arbeit ungemein.“ Die Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Dana Bach, zog dieses Resümee: „Oschatz war gestern schön und ist heute noch wunder-, wunderschön.“ FH

 


04. Februar 2020


Vereinsvorsitzende Dana Bach (l.) begrüßt mit Gisela Hahn das erste neue Mitglied im Jahr 2020

30 Jahre Heimatliebe
Geschichts- und Heimatverein: Die Liebe zur Stadt Oschatz verbindet
die Vereinsmitglieder seit 1990 – das Jubiläum wurde jetzt gefeiert


Die Gründungsmitglieder (v.l.): Bernd Klemig, Gabriele Teumer, Gerald Polster, Wolfgang Scholz, Wolfgang Niemann, Manfred Sladek.

Von Frank Hörügel
Oschatz. Mit Heimatgeschichte war in der DDR offiziell kein Staat zu machen. Es gab kaum Literatur zur Historie der Region, obwohl das Interesse der Menschen an der Vergangenheit ihrer Heimat groß war. Das sollte sich erst zaghaft Ende der 80er Jahre und dann schlagartig nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989 ändern. In Oschatz wurde bereits 1988 die Gesellschaft für Heimatgeschichte unter dem Dach des Kulturbunde der DDR gegründet. Sie war der Vorläufer des Oschatzer Heimatvereins, dessen Gründungsurkunde auf den 25. Januar 1990 datiert ist. Damals fanden sich 14 Frauen und Männer zusammen. Sechs von ihnen sind heute noch im Verein aktiv – und feierten mit den anderen Mitgliedern das 30-jährige Bestehen des Vereins, der sich seit 2007 Geschichts- und Heimatverein nennt.

Erhalt des Wüsten Schlosses
Gabriele Teumer, die den Verein von 2001 bis 2012 führte, stellte den Heimatfreunden die Höhepunkte dieser drei Jahrzehnte in einem Bildvortrag vor. Erstes großes Projekt war unter dem Gründungsvorsitzenden Gert Jubisch war das Beschildern wichtiger Denkmale im Stadtgebiet Oschatz. Ein weiteres Herzensanliegen der Heimatfreunde war
das Wüste Schloss, dessen Bedeutung durch Ausgrabungen in den 90er Jahren unterstrichen wurde. Vortragsveranstaltungen, der Stammtisch der Heimatforscher und Exkursionen in die Oschatzer Partnerstädte Blomberg und Filderstadt sowie zu Denkmälern in der Region standen auf dem Programm.
Im Jahr 2005 wurde die Ausstellung des Heimatvereins zum
Kriegsgefangenenlager Stalag in Oschatz eröffnet, für die Gabriele Teumer intensiv recherchiert hatte. „Gäste aus zehn Nationen haben sich die Ausstellung angeschaut“, sagte sie.
Ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit seit 1990 waren Publikationen zu heimatgeschichtlichen Themen. „Ich habe 40 Publikationen des Vereins und etwa 450 Veröffentlichungen gezählt“, sagte Dr. Manfred Schollmeyer, der selbst eine Vielzahl von Heften und Büchern publiziert hat. „Es gibt wohl kaum einen Verein in Deutschland, der so viele Dinge zu Papier gebracht hat“, sagte er. Das schätzen auch die anderen Vereinsmitglieder. „Mich beeindruckt enorm, die Arbeit, die vom Heimatverein geleistet wird“, sagte Joachim Zehme.

Neues Buch und Führungen
Seit einem Jahr hat Dana Bach im Geschichts- und Heimatverein den Hut auf. Sie blickte zur Jubiläums-Mitgliederversammlung auf die Vereinshöhepunkte im Vorjahr zurück und stellte den Arbeitsplan für das laufende Jahr vor.
Auch 2019 brachte der Verein wieder zwei neue Publikationen raus –
über den Pionier der natürlichen Familienplanung Dr. Rudolf Vollmann und den Mitbegründer des industriellen Waagenbaus in Deutschland Ernst Friedrich Pfitzer.
Und im neuen Jahr geht es gleich mit einer Buchvorstellung weiter: Am 5. Februar präsentiert Dr. Manfred Schollmeyer sein neues Werk „Oschatz Gestern & Heute“ im Thomas-Müntzer-Haus (19 Uhr). Es folgen Führungen zu den Oschatzer Waagenfabriken (26. April), durch die Ausstellung Stalag IV G (13.Mai), zum Kulturlandschaftsmuseum im Wermsdorfer Wald (24. Juni) und am Wüsten Schloss (19. September).


39
Mitglieder zählt der Oschatzer Geschichts- und Heimatverein derzeit. Im Vorjahr wurden drei neue Mitglieder aufgenommen, ein Mitglied hat den Verein verlassen. In diesem Jahr gibt es auch schon ein neues Mitglied.
 


29. Januar 2020

Oschatz gestern und heute
Heimatforscher stellt in seinem neuen Buch historische Fotos und aktuelle Ansichten gegenüber

Blick in die Badergasse zur Aegidienkirche – heute und damals aufgenommen

Oschatz. Das neueste Buch des Heimatautoren Dr. Manfred Schollmeyer „Oschatz Gestern & Heute“ präsentiert eine spannende Zeitreise durch die Vergangenheit und Gegenwart der Großen Kreisstadt im Herzen Sachsens. In 55 Kapiteln werden zumeist unveröffentlichte historische Aufnahmen aus öffentlichen und privaten Sammlungen aktuellen Aufnahmen gegenübergestellt. Eine Begegnung mit dem alten und neuen Oschatz, die zu vertrauten Plätzen und Stätten umwälzender Veränderung führt. Oschatz hat sich in den vergagngenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt und bietet viele Möglichkeiten, spannende Vergleiche zwischen früher und heute zu ziehen. Die städtische Infrastruktur wurde umfassend ausgebaut, Industrieunternehmen wurden erfolgreich angesiedelt, historische Sehenswürdigkeiten in der Altstadt saniert und neue Attraktionen geschaffen. Der kurzweilige Rundgang über die Märkte, durch die Straßen de Stadt und zu Zeitzeugen der Stadtgeschichte endet im Stadtpark.
Dieser liebevoll gestaltete Bildband ist ein Muss für alle Freunde der Stadt, hält zahlreiche Überraschungen parat und lädt zum Entdecken, Erinnern, Vergleichen und Staunen ein.



15. Januar 2020

Auf Zeitreise durch Oschatz
Heimatforscher Manfred Schollmeyer stellt in seinem neuen Buch
historische und aktuelle Fotos der Döllnitzstadt gegenüber

Blick vom Südturm der Aegidienkirche in Richtung Südosten zum Wohngebiet Straße der Einheit mit dem heutigen Türmer Alexander Nitsche und in einer Aufnahme von vermutlich 1904/1905 mit Türmer Paul Quietzsch und seinem Sohn Rudolf.Fotos: Manfred Schollmeyer/Hermann Koczyk

Von Frank Hörügel
Oschatz. Als der legendäre Türmer Paul Quietzsch und sein ältester Sohn Rudolf vor reichlich einem Jahrhundert vom Südturm der Oschatzer Aegidienkirche in Richtung Südosten schauten, bot sich ihnen ein völlig anderes Bild, als es der aktuelle Türmer Alexander Nitsche heute erblickt. Die Ulanen-Kaserne (im Volksmund „altes Arbeitsamt“ genannt) stand damals noch und die Wohnblöcke an der Straße der Einheit gab es noch lange nicht.

Vergangenheit und Gegenwart
Von solchen Kontrasten lebt das neue Buch „Oschatz Gestern & Heute“ des Oschatzer Heimatautors Manfred Schollmeyer, das ab 5. Februar erhältlich ist – und eine spannende Zeitreise durch die Vergangenheit und Gegenwart der Döllnitzstadt bietet.
„Auf 118 Seiten werden in 55 Kapiteln Oschatzer Plätze, Straßen, Hauptgebäude und weitere Sehenswürdigkeiten in historischen und aktuellen Fotos gegenübergestellt und erläutert“, teilt der Heimatautor (80) mit. Beispielsweise werde in verschiedenen Kapiteln das „Herz der Stadt“, die „Plätze mit Vergangenheit“ oder Zeitzeugen wie Bahnhöfe, Schulen oder das Krankenhaus vorgestellt.
Vor etwa anderthalb Jahren habe der Erfurter Sutton-Verlag Kontakt mit ihm aufgenommen, erinnert sich der Heimatforscher. Bei den historischen Aufnahmen konnte er auf seine eigene Sammlung, das Stadtarchiv und Fotos aus dem Stadt- und Waagenmuseum zurück greifen. Für die aktuellen Aufnahmen griff Schollmeyer selbst zum Fotoapparat.
„Wir sind immer auf der Suche nach Leuten, die alte Bilder haben und sich vor Ort gut auskennen“, sagt Andreas Ströbel. Er ist Vertriebsleiter beim Erfurter Sutton-Verlag und optimistisch, dass auch die Neuerscheinung „Oschatz Gestern & Heute“ ein Erfolg wird. Seit 22 Jahren verlegt Sutton als „Spezialist für Regionalgeschichte“ Bücher, so Ströbel. Deutschlandweit bisher etwa 600.

Schleichende Veränderung
„Die Veränderungen im Stadtbild passieren oft so schleichend, dass man sie gar nicht bemerkt. Und unsere Bücher sind dann ein Diskussionsanstoß: Wie war es früher? Was hat sich seitdem verändert?“, so der Vertriebsleiter. So sieht das auch der Autor des Oschatz-Buches. „Oschatz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt und bietet viele Möglichkeiten, spannende Vergleiche zwischen früher und heute zu ziehen.“

Kurzweiliger Rundgang
Genau dafür liefert Schollmeyer die Grundlage. Sein neues Buch lädt ein zu einem kurzweiligen Rundgang über die beiden Märkte, die Plätze und Straßen der Stadt – und endet im Stadtpark. Dem Leser wird vor Augen geführt, wie die städtische Infrastruktur in den vergangenen Jahrzehnten ausgebaut, Industrieunternehmen angesiedelt, historische Sehenswürdigkeiten in der Altstadt saniert und neue Blickfänge geschaffen wurden.

Kommentar
Dr. Manfred Schollmeyer stellt sein neuestes Buch am Mittwoch, dem 5. Februar, in der Galerie des Thomas-Müntzer-Hauses öffentlich vor, Beginn: 19 Uhr.

Buch erscheint am 5. Februar
Das Buch „Oschatz Gestern & Heute“ mit 118 Seiten ist ab dem 5. Februar erhältlich – in der Oschatz-Info und in der Buchhandlung Roscher. Autor ist Dr. Manfred Schollmeyer. Das Buch kostet 19,99 Euro.


nach oben
 


Impressum

Datenschutz