Start
 Verein
 Aktivitäten
 Projekte
 Literatur
 Presse
   2016
   2015
   2014
   2013
   2012
   2011
   2010
   2009
   2008
   2007
   2006
   2005
   2004
   2003
   2002
   2001
   2000
   1993
   1992
   1991
   1990
 Shop
 Impressum
 Links

Oschatzer Allgemeine Zeitung 23.03.2017

Thibaults setzen Ulanen-Denkmal die Krone auf
An der Gabelung Dresdener und Nossener Straße wird an ehemalige Kaserne erinnert

Von Christian Neffe
Oschatz. Krönender Abschluss der Umsiedelung des Mitteltraktes der alten Ulanen-Kaserne: An der Nossener Straße versammelten sich gestern alle an der Bewahrung des Denkmals Beteiligten, um es offiziell einzuweihen: Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos), Geschäftsführer der Wohnstätten GmbH Marc Etzold, Manfred Schollmeyer, Christina Obst vom Landratsamt, Leiterin des Stadt- und Waagenmuseums Dana Bach sowie der technische Leiter Dietmar Schmidt. Das Denkmal ziert nun eine golden glänzenden Tafel, Hauptattraktion ist jedoch die Nachbildung der Krone aus dem Atelier der Familie Thibault. „Vor 150 Jahren wurden die Ulanen in Oschatz kaserniert“, informiert Hobby-Historiker Schollmeyer. Vor einiger Zeit wurde bereits die alte Kaserne abgerissen. „Im Zusammenhang mit dem Abriss gab es die Auflage, die sandsteinerne Bekrönung des Mitteltraktes zu sichern und zu gegebener Zeit gut sichtbar wieder aufzubauen“, so Wohnstätten-Geschäftsführer Etzold. Der Oschatzer Heimat- und Geschichtsverein setzte sich dafür ein, dass das große Sachsen-Wappen einen Platz in der Öffentlichkeit findet.


Von links nach rechts: OBM Andreas Kretschmar, die Künstler Wolfgang und Gabriele Thibault, Museumsleiterin Dana Bach, Christina Obst vom Landratsamt und Wohnstättengeschäftsführer Marc Etzold.

„Nachdem das Thema wieder auf den Tisch kam, haben wir uns nach einem geeigneten Standort umgesehen. Wichtig war, dass der Standort auch einen Bezug zum alten Kasernengelände hat“, so Etzold. Die Entscheidung fiel zu Gunsten des jetzigen Standortes an der Gabelung von Dresdener und Nossener Straße vor einem Wohnblock der Wohnstätten GmbH. Dabei wurde darauf geachtet, das Denkmal so originalgetreu wie möglich zu erhalten, weshalb es auch noch ein paar kleinere Risse hat. Dringenden Nachholbedarf gab es allerdings bei der Krone: Die war so verwittert, dass der Schmorkauer Künstler Wolfgang Thibault mit der Anfertigung einer Replika beauftragt wurde. Vier Wochen hat diese Arbeit in Anspruch genommen, das fertige Stück fügt sich farblich wie stilistisch perfekt in den Rest des Mitteltraktes ein.

Stadtoberhaupt Kretschmar zeigte sich angesichts des fertigen Denkmals erfreut. „Die Ulanen sind ein Stück Stadtgeschichte. Auch wenn die alte Kaserne weichen musste, wollen wir mit dem Denkmal an dieses Kapitel der Stadtgeschichte erinnern.“ Der Termin ist perfekt: Am 1. April jährt sich der Einzug des neu gegründeten Ulanen-Regiments zum 150. Mal.

 


Sächsische Zeitung 08.02.2017

Als die Ulanen in Riesa einritten
Vor 150 Jahren bezogen Kavalleristen in Riesaer Privathäusern Quartier.
Die Begeisterung darüber hielt aber nicht lange an

Von Dr. Manfred Schollmeyer

Die Gründung des „1. Königlich Sächsischen Ulanen-Regiment Nr. 17“ ging auf den Beitritt Sachsens zum Norddeutschen Bund 1866 zurück und führte zur Neuorganisation des sächsischen Militärs. Im März 1867 wurde in Riesa und Oschatz die Entscheidung des sächsischen Kriegsministeriums bekannt, dass in beiden Städten Garnisonen für ein neu aufzustellendes Regiment geschaffen werden. Die Nachricht von der Stationierung wurde in Riesa von Bürgermeister Christian Gottfried Steger und dem Stadtrat sehr begrüßt und überschwänglich gefeiert. Ein Vertreter der Kirche sah sogar „die Streiter der Kirche mit den Streitern im Felde“ auf einer Stufe – ein außergewöhnlicher Blickwinkel. Die Einquartierung der geplanten Schwadronen mit etwa 250 Offizieren, Mannschaften und Pferden erfolgte vorzugsweise in Privatquartieren und war für die begeisterten Riesaer Haus- und Gutsbesitzer eine willkommene Einnahmequelle, versprach man sich doch von der Stationierung des Militärs einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Im Galopp voran mit Säbel und Trompetenschall: Diese Zeichnung zeigt Reiter des 1. Königlich-Sächsischen Ulanen-Regiments Nr. 17. Zwei Schwadronen der Einheit wurden vor 150 Jahren in Riesa einquartiert.
Repro: Zeichnung aus dem Verlag A. Bergmann, Leipzig / Sammlung Gerald Polster, Oschatz


Streit ums Geld
Wie war aber die Bildung des Regiments im Einzelnen erfolgt? Anschließend an die Tradition der einstigen sächsisch-polnischen Ulanen entstand ein Ulanen-Regiment aus der 1. und 4. Schwadron des „Garde- Reiter-Regiments“ und aus der 1. und 3. Schwadron des 1. Reiter-Regiments „Kronprinz“. Am 1. April 1867, dem Gründungstag des Regiments, wurden die vier Schwadronen als „1. Königlich Sächsisches Ulanen-Regiment Nr. 17“ aufgestellt und erhielten die folgenden Stadtorte zugewiesen. Der Stab und die 1. Schwadron wurden in Oschatz stationiert, die 2. und 3. Schwadron in Roßwein und die 4. Schwadron in Wilsdruff. Wenige Wochen später, am 1. Juni 1867, wurden die beiden Roßweiner Schwadronen nach Riesa und die Wilsdruffer Schwadron nach Oschatz verlegt. So befand sich das „1. Königlich Sächsische Ulanen-Regiment Nr. 17“ mit dem Stab der 1. und 4. Schwadron in Oschatz und mit der 2. und 3. Schwadron in Riesa. Die Eingliederung der beiden Schwadronen in Riesa führte in Folge der Einquartierung, der Bereitstellung von Land und Räumlichkeiten sowie der Finanzierung zu anhaltenden Querelen innerhalb der städtischen Gremien. Aber auch zwischen den Quartiergebern und der Stadt Riesa und zwischen der Stadt und dem sächsischen Kriegsministerium wurde um das liebe Geld gestritten. Besonders hoch schlugen die Wellen um den Bau und die Finanzierung der Reithalle an der Pausitzer Straße.

Oschatz schlägt Riesa
All das stieß natürlich im Dresdner Kriegsministerium auf Unverständnis und führte im April 1870 zur Ankündigung über eine Verlegung der beiden Riesaer Schwadronen nach Oschatz. Der Regimentskommandeur Bernhard von Miltitz handelte und kündigte die Verträge mit der Stadt zum 31. März 1871, was energische, aber erfolglose Gesuche und Petitionen des Stadtrates und der privaten Quartiergeber an das Dresdner Kriegsministerium zur Folge hatte. Die Auseinandersetzungen zwischen den handelnden Parteien fanden mit der Mobilmachung des Regiments für denDeutsch-Französischen Krieg am  16. Juli 1870 ein schnelles Ende. Am 28. Juli 1870 trafen die Riesaer und Oschatzer Schwadronen sowie der Stab in Döbeln ein und wurden am 29. Juli mit der Bahn nach Mossbach am Rhein und weiter an die deutsch-französische Front verlegt. Nach Ende des einjährigen Krieges trat das Regiment im Juni 1871 den Rückmarsch nach Deutschland an. Die Schwadronen aus Riesa und Oschatzer rückten gemeinsam am 13. Juli 1871 in Oschatz ein, wurden von der Bevölkerung sehr herzlich begrüßt und in der neuen Oschatzer Kaserne am Dresdner Berg sowie in Privatquartieren untergebracht. Die Stadt Riesa blieb fortan bis 1881 ohne Garnison.

– Das Buch „Erinnerungen an das 1. Königlich Sächsische Ulanen-Regiment Nr.17“ beschreibt auf 592 Seiten, mit 530 Bildern und einer CD die Geschichte des Regiments und ist im Riesaer Stadtmuseum zum Preis von 29,50 Euro erhältlich.


Farbenfroh: Eine Postkarte aus dem Verlag Emil Richter Oschatz zeigt Angehörige des Ulanenregiments – etwa um 1900. Foto: Sammlung Dr. Schollmeyer, Oschatz

 


Oschatzer Allgemeine Zeitung 24.01.2017

Oschatzer Lutherbuche wiederentdeckt: Es ist der Baum vor der Härtwig-Schule
Oschatzer Heimatfreunde auf der Suche nach einem vergessenen Baum im Herzen der Stadt

Von Dr. Manfred Schollmeyer


Die Würdigungen Martin Luthers zum 500. Reformationsjubiläum 2017 streben mit dem erstmalig für ganz Deutschland geltenden Reformationsfeiertag am 31. Oktober ihrem Höhepunkt entgegen. Auch in Oschatz wird man dieses Ereignis feiern, wie schon 1817 und 1917.
Vor hundert Jahren, im vierten Jahr des Ersten Weltkrieges, wurde trotz aller Beschwernisse, die der Krieg der Bevölkerung aufbürdete, Martin Luthers und der Veröffentlichung seiner 95 Thesen gedacht und das 400. Reformationsjubiläum begangen. „Gerade bei der vielfachen Niedergedrücktheit der Gemüter war eine Feier der Erhebung doppelt nötig“, so Superintendent Paul Samuel Moritz Flade in seinem Aufsatz „Unsere Festfeier im Jubeljahre“, erschienen in der Broschüre „Ein Abschiedsgruß vom Oschatzer Lutherjahr 1917“. Zahlreiche Vorträge von Mitgliedern der Pastorenkonferenz, Schriften in den Oschatzer Zeitungen, die Einweihung des Lutherkreuzes vor dem Lehrerseminar (heute Thoma-Mann-Gymnasium), die Ausstellung „reformatorischer Erinnerungen“ sowie vielfältige Veranstaltungen für die Oschatzer Schüler wurden von Superintendent Flade beschrieben und durchgeführt. So auch der 8. Juli 1917, ein Sonntag, als sich 800 Kinder eingefunden hatten, die, musikalisch begleitet, „von der Lutherbuche im Schulgarten“ zur Aegidienkirche gezogen waren um dort, dem Brief Martin Luthers an seinen Sohn Hans, vorgetragen von Superintendent Flade, zu lauschen. –
Aber eine „Lutherbuche“ in Oschatz? Und in welchem Schulgarten? Könnte es auch sein, dass die “Lutherbuche“ heute noch existiert? Die Nachforschungen begannen und gemeinsam mit der Leiterin des Oschatzer Stadt- und Waagenmuseum Dana Bach und Heimatfreund Hans-Hermann Schöne konnte die „Lutherbuche“ bald gefunden werden. Die Vermutung, dass es sich bei 800 Kindern im Schulgarten nur um die Bürgerschule (heute Robert-Härtwig-Schule) in der Bahnhofstraße handeln konnte wurde in der Broschüre „Altes und Neues aus Oschatz“, erschienen zum Heimatfest 1906 und verfasst von Bürgermeister Robert Härtwig, bestätigt. In seiner Schrift widmete sich der Bürgermeister auch dem Schulwesen der Stadt, rühmte die 1883 eingeweihte Bürgerschule, lobte „wie prachtvoll sich der das Haus umgebende Garten entwickelt hat“ und erwähnte, dass im „mittelsten Teile des Gartens vor dem Hause […] eine Lutherbuche am 400. Geburtstage des großen Reformators […] gepflanzt“ wurde. Das war am 10. November 1883.
Und da steht sie noch heute, prächtig gewachsen und mit ihrer Größe und wuchtigem Umfang den gesamten Schulgarten vor dem Schulgebäude dominierend, die Oschatzer „Lutherbuche“ – eine Rotbuche (Fagus sylvatica). Deutschlands häufigster Laubbaum mit seiner silbern schimmernden Rinde kann bis zu 300 Jahre alt und etwa 30 bis 40 Meter hoch werden, seine rötliche Holzfarbe gab ihm den Namen, für die Forstwirtschaft ist er unersetzlich und seine dreikantigen Früchte, die Bucheckern, die wir als Kinder in den Nachkriegsjahren zur Ölgewinnung sammelten, machen ihn so beliebt.
Die „Lutherbuche“, einst zu Ehren Martin Luthers gepflanzt, hat die Stürme der Zeit überstanden, hat die Namensgeber der Schule überlebt, hat Jahrzehnte die Lehr- und Erziehungs-methoden der Lehrerschaft kommen und gehen gesehen, Freud und Leid der Schüler miterlebt, aber ist selbst in Vergessenheit geraten.
Das diesjährige 500. Reformationsjubiläum ist ein würdiger Anlass, an die im Schulgarten der Robert-Härtwig-Schule seit 1883 stehende „Lutherbuche“ zu erinnern.

 


Oschatzer Allgemeine Zeitung 04.01.2017

Oschatzer trauern um Heimatfreund Werner Breitenborn