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Oschatzer Allgemeine Zeitung 28.12.2015

Heimatverein präsentiert Oschatzer Köpfe
Postkartenserie zeigt 28 bedeutende Männer und Frauen des 19. Jahrhunderts
 

Von Manfred Schollmeyer
Oschatz. Es waren außergewöhnliche Persönlichkeiten, die Oschatzer Stadtgeschichte geschrieben haben und die besonders die industrielle Entwicklung im 19. Jahrhundert prägten. Darauf macht die anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins herausgegebene Postkartenserie „Oschatzer Köpfe“ aufmerksam.

Nach Carl August Gadegast, der 1815 die Merinoschafzucht in Oschatz begründet hatte, legte der Hutmacher Ambrosius Marthaus 1834 die Grundlagen für die Filzfabrikation und Ernst Friedrich Pfitzer begann 1845 mit der Waagenfabrikation. Bemerkenswert ist jedoch, dass die industrielle Entwicklung in besonderer Weise auch von zwei Frauen mitgestaltet wurde, obwohl man damals noch keine Frauenquote kannte. Auguste Therese Bieger und Wilhelmine Nuster gelten seit 1859 und 1862 als die Begründerinnen der Oschatzer Wollwaren-Fabrikation, die in den folgenden Jahrzehnten Tausende Frauen in Lohn und Brot brachte. Neben diesen herausragenden Persönlichkeiten werden aber auch Christian Gottlob Atenstädt, Abgeordneter des Sächsischen Landtages, der verdienstvolle Bürgermeister Robert Härtwig und der Sparkassenmitbegründer Ernst Heinrich Schmorl genannt. Zudem wird an die Wissenschaftler Heinrich Karl Eichstädt, Carl Gottlieb Hering und Constantin Hering, an die Bild- und Schriftchronisten Hermann Koczyk und Friedrich Wilhelm Mogk, an die Maler und Zeichner Georg Hellmich, Artur Moritz, Theodor Schultze-Jasmer, Friedrich Wolf-Oschatz, Walther Venske, Theodor Ludwig Zöllner, an die Geschäftsleute und Unternehmer Fedor Göthel, Curt Lehmann, Emil Richter und Ernst Wahliss sowie an Gertrud Ludwig, Dr. Arthur Sulzberger, August Stephan, Paul Ernst Quietzsch und Gustav Ferdinand Vödisch erinnert.

Die Postkartenserie „Oschatzer Köpfe“ stellt auf sieben Postkarten insgesamt 28 Persönlichkeiten vor, die in Oschatz geboren wurden oder in Oschatz wirkten und mit ihren Lebensleistungen den Namen der Stadt bekannt gemacht und in die Welt getragen haben. Eine durchaus bemerkenswerte Sammlung und interessant für alle Geschichtsfreunde mit Interesse an Oschatz.

In der Buchhandlung Roscher, in der Oschatz-Information und im Stadt- und Waagenmuseum ist die Postkartenserie zum Preis von 4,50 Euro erhältlich.
 


Die Postkartenserie „Oschatzer Köpfe“ stellt auf sieben Postkarten Persönlichkeiten vor, die in Oschatz geboren wurden oder in Oschatz wirkten.  Foto Manfred Schollmeyer
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Oschatzer Allgemeine Zeitung 28.11.2015

Zinnexperte in Oschatz zu Gast

Oschatz. Wussten Sie, dass man Zinngefäße nur mit Wasser reinigen sollte? Oder dass sich Blumen in einer Vase aus Zinn wesentlich länger halten als in einer Vase aus Glas oder Keramik? Und schließlich auch das noch: Haben Sie etwa gewusst, dass Zinngefäße bei sehr kalter Lagerung unwiderruflich zerfallen? Das alles und noch mehr gab in der Versammlung des Oschatzer Heimat- und Geschichtsvereins der Meißener Restaurator und Zinn-Experte Rainer Lehmann zum Besten. Immerhin waren 20 Heimatfreunde der Einladung zu seinem Vortrag gefolgt.

In einem kurzen geschichtlichen Abriss hob der Zinn-Experte die reichen Traditionen der Zinngießerei in Sachsen hervor. Das war auch nicht von ungefähr, denn im Erzgebirge befinden sich die größten Zinn-Lagerstätten Europas, und dort wurde das Metall seit dem 13. Jahrhundert bis etwa 1990 abgebaut. Die Vorfahren unseres Zinn-Experten waren schon seit 1781 in Meißen ansässig, und er selbst ist bereits 60 Jahre in dem Gewerbe tätig.

Der geschichtlichen Einleitung folgten dann Ausführungen zu einer Reihe praktischer Fragen zum Zinn gießen, zur Kennzeichnung von Zinn-Gegenständen nach ihrer Entstehung und ihrer Hersteller, zur Verbreitung der Zinngießerei. Und als Fachmann hat er schon mehrmals bei der Bewertung von wertvollem Kulturgut aus Zinn sein Urteil abgegeben, zum Beispiel zu Kunstwerken im Freiberger Dom. Mehrere Heimatfreunde hatten zu diesem Vortrag – wie vom Veranstalter gewünscht – auch eigene Gegenstände aus Zinn mitgebracht, zu denen der Fachmann sein Urteil abgab.

Werner Breitenborn


Zinnbegutachtung: Rainer Lehmann, Vereinsvorsitzender Herbert Berndt, Hildrun Berger, Bernd Klemig (von rechts nach links)     Foto: Werner Breitenborn  – das Foto ist nicht im Zeitungsartikel veröffentlicht.

 


Oschatzer Allgemeine Zeitung 17./18.10.2015

Oschatzer Heimatverein unter Dampf
Bahn-Experte Reiner Scheffler informiert über die Tradition des Wilden Roberts

Der Heimat- und Geschichtsverein Oschatz war mit der Dampflok unterwegs. Vereinsmitglied Werner Breitenborn schreibt über die Entdeckungstour durch die nähere Umgebung.

Sicher sind schon fast alle OAZ-Leser mit dem den Wilden Robert gefahren, unserer kleine Eisenbahn, die zwischen Oschatz und Mügeln hin und her zuckelt. Manchmal auch mit Dampf. Es ist schon ein Erlebnis, mit diesem Bähnchen mal wieder zu fahren. Und wenn dann noch eine Dampf-Lok das Bähnle zieht und man dazu noch von einen Fachmann begleitet wird, der als einstiger Eisenbahner und damit als Experte die Eisenbahn wie seine Westentasche kennt, da macht das Fahren noch mehr Spaß. So jedenfalls ging es auch Mitgliedern und Freunden des Oschatzer Heimat-und Geschichtsvereins, die neulich diese Tour mit ihrem Vereinsmitglied Reiner Scheffler unternahmen, der für diesen Tag sogar mal wieder seine Eisenbahner-Uniform angezogen hatte.
Die Köpfe drehten sich nach rechts und links, wenn Reiner Scheffler immer mal wieder auf das hinwies, was es da unterwegs zu sehen gab. Aber noch viel mehr erzählte dann unser Reiseleiter über die 130jährige Geschichte der Kleinbahn, über den Bahnhof Mügeln als einstigen größten Schmalspurbahnhof Europas, über die Bedeutung der Strecke als Zuckerrüben- und Kaolinbahn. Dazu gab der gelernte Eisenbahner noch beim Rundgang auf dem Bahnhof Mügeln umfassend und mit persönlicher Leidenschaft Auskunft über den Dienst der Eisenbahner, über Loks, eingesetzte Waggons, über die Wartung und Pflege der Bahn und ihrer Anlagen, über den Verkehrsablauf. Und bei dem kurzen Aufenthalt auf dem Endbahnhof Glossen erzählte Reiner Scheffler einiges über die Feldbahn, mit der auch Fahrten in den früheren Quarzit-Steinbruch angeboten werden. Kleiner Nachsatz: Der Schriftsteller Kurt Tucholsky schrieb in seiner Erzählung "Rheinsberg": "In hellem Sonnenschein stand die Kleinbahn, wie aus Holz gefügt, steif und verspielt. Sie stiegen ein Der Zug ruckte und zuckelte sich gemächlich durch Salatgärten, Hofmauern... Das Maschinchen schnob und klingelte zornig, durch den staubigen Rauch hindurch klingelte es melodisch, wie eine läutende Kirchturmglocke bei Sturm." War etwa Kurt Tucholsky damals mit dem Wilden Robert schon gefahren? Sicher nicht, denn der Dichter beschreibt in seiner noch immer lesenswerten Erzählung (1911/12 entstanden) hier den Beginn der Fahrt mit der Kleinbahn von Löwenberg nach Rheinsberg in der Mark Brandenburg.


Die Mitglieder vom Heimatverein nahmen auch die alte Dampflok genauer unter die Lupe.               Foto: Privat

 


Oschatzer Allgemeine Zeitung 18./19.07.2015

Die Spur der Ulanen
Der Oschatzer Heimatforscher Manfred Schollmeyer hat sich jetzt in Frankreich auf die Spuren der
Oschatzer Ulanen begeben,
die einst im Deutsch-Französischen Krieg gekämpft hatten.
Vor 145 Jahren rückte das 1. Königlich Sächsische Ulanen-Regiment Nr. 17
in Oschatz aus.
Ein knappes Jahr später kamen die Reiter wieder in ihre Garnisonsstadt zurück - die Reihen gelichtet.

Das Regiment beklagte in diesem Krieg 72 Tote, Vermisste und Verwundete.


Diese Aufnahme zeigt das Oschatzer Ulanen-Regiment beim Einrücken nach Oschatz. Sie stammt vom Regimentstag 1907.
Foto: Sammlung Dr. Manfred Schollmeyer

Von Manfred Schollmeyer*
Mit preußisch-sächsischer Präzision wurde in Oschatz seit dem 16. Juli 1870 die Mobilmachung des 1. Königlich Sächsischen Ulanen-Regiments Nr.17 betrieben, am 24. Juli beendet und mit dem Ausmarsch der Ulanen am 28. Juli zur Verladung in Döbeln am 29. Juli abgeschlossen. Nach einer zweitägigen Zugreise traf das Regiment am 31. Juli 1870 in Moosbach am Rhein ein, nahm Quartier in Wiesbaden, überquerte am 3. August 1870 im 12. Sächsischen Armeekorps den Rhein am Fort Montebello von Wiesbaden nach Mainz und gehörte zu den ersten sächsischen Truppen, die am 9. August 1870 den deutsch-französischen Grenzort Habkirchen an der Blies erreichten. Für die 650-Kilometer-Strecke von Oschatz bis an die Deutsch-Französische Grenze benötigte das Oschatzer Regiment zwölf Tage, heute mit dem Auto eine Tagesreise. Bei dieser überschaubaren Entfernung drängte sich mir der Gedanke auf, den Oschatzer Ulanen auf ihrem Weg nach Frankreich mit dem Auto zu folgen und es erschien zudem reizvoll, Douzy und Étrépagny, die beiden wichtigsten Kriegsschauplätze der Oschatzer Ulanen im Deutsch-Französischen Krieg, zu besuchen und hier auf Spurensuche zu gehen.
Erstes Ziel: Douzy
Mein erstes Ziel war Douzy, wenige Autominuten südwestlich von Sedan in den französischen Ardennen unweit der belgischen Grenze. Nach eintägiger Fahrt bei frühlingshaftem Wetter über deutsche Autobahnen und auf belgischen und französischen Landstraßen durch die abwechslungsreichen belgischen und französischen Ardennen erreichte ich Douzy. Hier hatte sich das in der Ulanen-Literatur hochgelobte "Bravourstück von Douzy" zugetragen. Unter der Führung von Oberst Bernhard von Miltitz attackierte das Regiment eine französische Infanterieeinheit, die eine Wagenkolonne zu schützen hatte. Sie schlugen die Franzosen in die Flucht, eroberten die Wagenkolonne und nahmen 81 Franzosen gefangen. Etwa 40 getötete und verwundete Franzosen sowie zehn getötete, verwundete oder vermisste Ulanen waren zu beklagen.
Spuren unserer Oschatzer Ulanen sind heute nicht mehr vorhanden, dafür entdeckte ich auf dem Gemeindefriedhof eine Grabanlage, die am 4. April 1873 für Gefallene des Deutsch-Französischen Krieges errichtet wurde. Entsprechend dem Vormarsch der Ulanen setzte ich meine Reise nach Westen in das etwa 350 Kilometer entfernte nordwestlich von Paris gelegen Étrépagny fort und fand hier noch Hinweise, die an den Kampf der Sachsen um Étrépagny am 29./30. November 1870 erinnern.
Der Kampf um Étrépagny
Ein sehr gut erhaltenes Denkmal zu diesen Ereignissen wurde 1873 eingeweiht und steht heute noch in einer Parkanlage. Mit seiner Inschrift "Am 30. November 1870 rächen sich die aus Étrépagny verjagten Deutschen und setzen die Stadt in Brand. Niemals vergessen!" beschreibt das Denkmal die Ausschreitungen der Sachsen gegen die Zivilbevölkerung in Étrépagny.
Das Ulanenregiment war Anfang September 1870 bei regnerischem und stürmischen Herbstwetter von Douzy nach Westen marschiert und wurde am 24. November 1870 an die Epte-Linie befehligt, benannt nach dem Flüsschen Epte, einem rechtsseitigen Nebenfluss der Seine. Um die aus Westen angreifenden Franzosen zurückzudrängen, wurde am 29. November eine Kolonne mit der 2. Eskadron bei Frost und Glatteis auf Patrouille in Richtung Étrépagny kommandiert, wo sie auch die Stadt besetzte und sich einquartierte. Die unweit von Étrépagny operierenden französischen Truppen sollen von dem Besitzer des Hotels am Markt in Étrépagny informiert worden sein, dass Étrépagny von Deutschen besetzt ist. Dieses Wissen um die Ulanen in Étrépagny führte zu dem berühmt-berüchtigten Überfall der Franzosen auf die einquartierte 2. Eskadron in der Nacht vom 29. auf den 30. November 1871 und zu einem mörderischen Kampf Mann gegen Mann.
Das Zentrum der Gemeinde bot am nächsten Morgen einen grauenhaften Anblick und die 2. Eskadron des Oschatzer Regiments hatte nach den Kämpfen 12 Tote, 12 Verwundete, 18 Vermisste sowie den Verlust von 50 Pferden zu beklagen. Es stellte sich natürlich die Frage, wie es zu der verlustreichen Schlacht in Étrépagny kommen konnte. Eine Studie des deutschen Militärhistorikers Julius von Scriba meinte schon 1876 dazu, dass die von dem deutschen Kommando angeordneten Sicherheitsmaßnahmen und Patrouillen um Étrépagny unzureichend waren und dass das Offizierskorps "im ersten Gasthof der Stadt reichlich zu Abend gegessen habe, ein Pianoforte requiriert und sich die Zeit mit Musizieren vertrieben [hätte]." Man könne eben nicht "unmittelbar vor dem Feinde Gelage abhalten und zechen", so sein Fazit.
Nachdem sich die französischen Truppen wieder aus der Gemeinde Étrépagny zurückgezogen hatten, rückten am Nachmittag des 30. November die Sachsen wieder in den Ort ein, um die Toten und Verwundeten zu bergen und die Niederlage der vergangenen Nacht zu rächen. Während in der sächsischen Ulanenliteratur über die Vorkommnisse in Étrépagny der Überfall der Franzosen im Vordergrund steht, wird die Rache der Sachsen kaum erwähnt.
Furchtbare Rache der Sachsen
Aber die Rache war fürchterlich. "Die Sachsen schlagen die Haustüren ein, bemächtigen sich der bestürzten Einwohner und treiben sie mit der flachen Säbelklinge und die Pistole auf die Brust gesetzt vor die Stadt; während andere mittelst in Petroleum getränkter Heubündel die Häuser in Brand stecken und nicht einmal die Ambulanzen schonen, wo ihre eigenen Verwundeten gepflegt sind. [...] Etwa 60 Wohnungen und viele mit der Ernte gefüllte Scheunen werden ein Raub der Flammen, den in die Straßen getriebenen Ackerpferden wird mit dem Bajonett der Leib aufgeschlitzt. Endlich zerbrachen die erbarmungslosen Sachsen die vorhandenen Spritzen, um ihren Opfern auch die letzte Hoffnung zu rauben und verließen die Stadt gegen Abend, als das Zerstörungswerk vollendet war." Mit diesen Worten beschreibt Julius von Scriba die Gräueltaten der Sachsen an der Bevölkerung der französischen Kleinstadt. Auch nach 145 Jahren ist man über die "Erbfeindschaft", die einst zwischen den beiden Völkern herrschte, erschrocken, aber auch sehr froh, dass sie überwunden ist.
Auf meiner Rückreise besuchte ich noch den Friedhof im zwölf Kilometer westlich von Étrépagny gelegenen Gisors, auf dem sich das Grab der in Étrépagny gefallenen Ulanen befinden sollte. Ein etwa 20 Quadratmeter großes Gemeinschaftsgrab war noch vorhanden, das sich aber in einem sehr schlechten Zustand befand. Zerbrochene, umgefallene und fehlende Grabsteine gaben ein trauriges Bild ab. Es gelang mir aber, die 145 Jahre alte und verwitterte Schrift auf einem der Grabsteine zu entziffern und den Ulanen zuzuordnen. Mit diesem "Erfolg" verließ ich nun endgültig die Normandie und folgte dem Marsch der Oschatzer Ulanen in östliche Richtung nach Saint Quentin, wo sie am 19. Januar 1871 an der siegreichen Schlacht gegen die französische Nordarmee beteiligt waren. Für das Regiment folgten danach Monate der Besetzung in Nordfrankreich, bis der Befehl vom 1. Juni 1871 aus dem Kaiserlichen Hauptquartier auch die Ulanen zum Rückmarsch nach Deutschland aufforderte. Am 8. Juli 1871 wurden sie von einer begeisterten Menschenmenge in Dresden gefeiert und zogen triumphal am 13. Juli 1871 in ihre Garnisonsstadt Oschatz ein.
72 Oschatzer Opfer
Sehr beeindruckt von den Erlebnissen in Douzy, Étrépagny und Gisors setzte ich die Rückfahrt nach Oschatz fort, die sich aber weniger anstrengend und auch unspektakulärer als die Heimkehr der Ulanen gestaltete. Der Deutsch-Französische Krieg soll bis zu 190 000 Tote gefordert haben, hat ein verwüstetes Frankreich hinterlassen und den Deutschen die Gründung des Deutschen Reichs sowie die Annektion Elsass-Lothringens gebracht. Das Oschatzer Regiment hatte insgesamt 72 Tote, Vermisste und Verwundete zu beklagen, hat zudem fast ein Jahr lang reitend und marschierend mit großen Entbehrungen und hohen materiellen Verlusten eine Strecke von mindestens 2000 Kilometer zurückgelegt, in teilweise menschenunwürdigen Unterkünften Quartier bezogen und bei jedem Wetter biwakiert. Dazu kamen noch die strapaziösen Bahnfahrten. Da stellt man sich die Frage: Wofür eigentlich? Unermessliches menschliches Leid und schwere volkswirtschaftliche Schäden in Deutschland und Frankreich waren die noch lange nachwirkenden traurigen Folgen dieses Krieges.

Stichwort
Deutsch-Französischer Krieg

Der Ausbruch und Verlauf des Ersten Weltkrieges sowie die Erinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus lassen den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 in den Hintergrund treten, obwohl dieser mit seinen Ergebnissen, wie der Annektion Elsass-Lothringens, einer der Gründe für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges war.
Der Machtkampf um die Vorherrschaft in Europa nach der Neuaufteilung des alten Kontinents auf dem Wiener Kongress 1814/15 erfuhr mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1866 eine weitere Verschärfung. Und ein Anlass für eine militärische Auseinandersetzung war auch bald gefunden. Die französische Ablehnung des deutschen Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen (1830-1905) als Thronfolger für die gestürzte spanische Königin Isabella (1830-1904) und die diplomatischen Verwicklungen um die sogenannte "Emser Depesche" und deren Veröffentlichung führten zur Mobilmachung der französischen Streitkräfte am 14. Juli 1870. Dieser folgte umgehend die Mobilmachung des Norddeutschen Bundes unter Führung Preußens und seiner Verbündeten am 16./17. Juli 1870, was am 19. Juli 1870 die französische Kriegserklärung nach sich zog.


Denkmal für den Kampf um Étrépagny am 29./30. November 1870. Darauf steht: "Am 30. November 1870 rächen sich die aus Etrépagny verjagten Deutschen und setzen die Stadt in Brand. Niemals vergessen!"


Mit Hilfe der Frankreich-Karte verfolgte Manfred Schollmeyer den Weg, den die Oschatzer Ulanen vor 145 Jahren marschiert und geritten sind.

*Der Autor ist Heimatforscher und Mitglied des Oschatzer Geschichts- und Heimatvereins


 

Oschatzer Allgemeine Zeitung 15.06.2015

Archäologe entführt Heimatfreunde in die Vorgeschichte
Wolfgang Ender glaubt, dass die Collm-Region in der Jungsteinzeit dicht besiedelt war
und die Kultur blühte

Von Lilly Biedermann
Oschatz. Der 1990 gegründete Heimat- und Geschichtsverein Oschatz organisiert regelmäßig öffentliche Vorträge über verschiedene Themen rund um Oschatz. Zur jüngsten Zusammenkunft hatten sich die Oschatzer Geschichtsfreunde ein ganz besonderes Thema ausgesucht und einen Archäologen eingeladen. Dr. Wolfgang Ender, vom Landratsamt für Archäologie, berichtete über die archäologischen Ausgrabungen rund um Mügeln und Schweta. Mit seinem Vortrag "Trassen durch die Zeiten" gab er einen interessanten Überblick sowohl über die Fundort- und stücke als auch über die Zeit, aus der diese stammen. Außerdem zog er Verbindungen zu ähnlichen Ausgrabungen in ganz Europa. So fand man beispielsweise heraus, dass Mügeln in der Zeit der ersten Ackerbauern bereits größer war als heute. Dieses "alte Mügeln" ist eines der größten jungsteinzeitlichen Dörfer, die man zwischen Leipzig und Dresden je gefunden hat. Auch die anderen Fundstücke aus Stein-, Bronze-, Eisen-, Römerzeit und Mittelalter haben häufig Seltenheitswert. Obwohl noch nicht alle Informationen ausgewertet sind, bereichern die Untersuchungen der verschiedenen Ausgrabungsstätten die sächsische Forschung sehr. Auch der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins Herbert Berndt fand den Vortrag von Ender sehr informativ. "Wir freuen uns, dass Dr. Ender mit diesem Vortrag bei uns zu Gast war. Wir haben sehr viel neues über die frühgeschichtliche Entwicklung unserer Region erfahren. Mit diesen Vorträgen wollen wir das Verständnis für solche Ausgrabungen schaffen", so Berndt. Denn schon früher stellte der Verein fest, dass das Interesse für die Ausgrabungen und die ehemalige Besiedlung der Region groß ist. Dennoch war der Vortrag mit knapp 25 Interessierten recht schwach besucht, dafür wurde im Anschluss aber heftig diskutiert.
 


Oschatzer Allgemeine Zeitung 21.03.2015

Ein Schaufenster für Johann Sebastian Bach in Oschatz

Oschatz. Passanten auf der Sporerstraße staunten gestern nicht schlecht. In einem Schaufenster eines leer stehenden Geschäftes, in dem vor noch nicht allzu langer Zeit Handys ausgestellt waren, thront jetzt eine Büste des berühmten Komponisten Johann Sebastian Bach aus Sandstein. Momentan ist sein Haupt noch mit einem Tuch verhüllt. "Nein, das ist keine Anspielung darauf, dass der Handyshop den Bach herunter gegangen ist", sagte der Schöpfer der Büste Joachim Zehme. Er durfte in Absprache mit dem Ladenvermieter, Prainesberger Immobilien, das Schaufenster nutzen, um auf den heutigen 330. Geburtstag des Komponisten hinzuweisen. Die hinter der Büste stehende überdimensionale Glückwunschkarte ist allerdings ein Kunstwerk der Grundschüler der Apfelbaumschule innerhalb eines Ganztagesprojekts. Auf der Karte ist farbenfroh zu lesen: "Herzlichen Glückwunsch Johann Sebastian Bach."
Das Thema des Kunstwerkes, der Schüleraktion und der Performance auf der Sporerstraße heißt "Musik verbindet" und ist eine Gemeinschaftsaktion der Friedensinitiative Oschatz, des Geschichts- und Heimatvereins Oschatz und des Rotary Clubs. Heute soll die Büste im Schaufenster enthüllt und in den kommenden Tage illuminiert werden.

Hagen Rösner
Foto: Künstler Joachim Zehme (l.) und Türmer Ulrich Uhlitzsch mit der Geburtstags-Büste von Bach