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Oschatzer Allgemeine Zeitung 28.09.2000

Heute Abend wird "Mogk'sche Chronik" vorgestellt
Zeitreise ins alte Oschatz

Oschatz. "Den 28 September ward das Kirchengewölbe durch die Pioniere gesprengt." Friedrich Wilhelm Mogk war dabei, als heute vor 158 Jahren die Ruine der Oschatzer Stadkirche in Schutt und Asche gelegt werden musste. Vorausgegangen war der große Stadtbrand am 7. September 1842, der großes Leid über die Oschatzer brachte. Mogk war damals Ratsmann in Oschatz und hat die turbulenten Ereignisse rund um den Stadtbrand genau dokumentiert. In den Jahren von 1814 bis 1853 hat er Tagebuch geführt, das Wettergeschehen beleuchtet und die Lokalpolitik kommentiert. Der Oschatzer Heimatforscher Dr. Wolfgang Geisler war von diesem Geschichtsdokument fasziniert und vertiefte sich in die Erinnerungen des Ratsmannes. Unterstützt wurde er bei dieser jahrelangen Kleinarbeit von Cornelia Höschel, Archivarin im Rathaus und dem Vorsitzenden des Oschatzer Heimatvereins Gerhard Heinz. Herausgekommen ist die "Mogk'sche Chronik" auf 131 Seiten, die heute abend um 19 Uhr öffentlich im Gasthaus "Zum Schwan" in Oschatz vorgestellt wird. Das Buch kann in der Lederboutique Teumer in der Altoschatzer Str. 15 gekauft werden. F.H.


Oschatzer Allgemeine Zeitung 17.07.2000

Vortrag über Sühne und Strafe im Mittelalter / Hallenser Professor lobt Zeugnisse der Region:
Oschatzer Quellen wertvolle Fundgrube für Forschung

Oschatz: Ausgetrocknet und ein wenig schrumpelig liegt der abgetrennte Daumen noch heute im Archiv des Oschatzer Rathauses. In einer kleinen Schachtel zeugt er davon, dass sein einstiger Besitzer wahrscheinlich einem Verbrechen zum Opfer fiel. Das vermutet jedenfalls Prof. Dr. Heiner Lück, Dekan der juristischen Fakultät der Martin-Luther- Universität Halle Wittenberg, der am Freitag auf Einladung des Oschatzer Heimatvereins einen Vortrag über Sühne und Strafe im Mittelalter hielt. Demnach war die Klage mit der "toten Hand" oder einem abgetrennten Gliedmaß auch in Oschatz gängig. Wenn Angehörige des Opfers zeigen wollten, dass eine Missetat (Mord oder Totschlag) geschehen war trennten sie dem Opfer zum Beispiel den Daumen ab und zogen damit vor Gericht.

Prof. Dr. Heiner Lück (stehend) hielt vor Oschatzer Heimatfreunden einen Vortrag über mittelalterliches Strafrecht. Zu seinen Forschungsgebieten gehören Strafrechtsgeschichte, der Sachsenspiegel und Gerichtsverfassung im Mittelalter

Lück forscht schon seit Jahren zur Gerichtsbarkeit in Sachsen und stützt sich dabei besonders gern auf Oschatzer Quellen.  "Aus dieser Stadt ist sehr aussagekräftiges Material überliefert", lobte der Jurist, "zahlreiche Hinweise gibt der Sachsenspiegel, und ab 1500 findet sich auch viel in Gerichts- und Stadtbüchern." Bei seinem Vortrag im Oschatzer Ratssaal räumte der Hallenser auch mit den ewigen Vorurteilen auf: "Das Mittelalter bestand nicht nur aus Köpfeabhacken oder Hexenverbrennung. Besonders in Sachsen wurde ein Delikt lange per Sühnevertrag bereinigt." Auch in Oschatz müssen Täter demnach viele Steinkreuze gesetzt oder Geld an Familien der Opfer gezahlt haben. "Das Anliegen war, wieder Frieden zwischen den Parteien herzustellen", erklärte Heiner Lück, dieser Sühnegedanke findet sich heute beim Täter-Opfer-Ausgleich in der modernen Justiz wieder."
Diese Art der Strafverfolgung sei für die Gemeinschaft wünschenswerter und für den, der die Gerichtsbarkeit inne hatte, kostengünstiger gewesen. Deshalb hätten auch die Oschatzer lange am Landrecht, das im 13. Jahrhundert im Sachsenspiegel aufgezeichnet worden war, festgehalten. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts habe sich die "Carolina" – die erste Gerichtsordnung für das gesamte Deutsche Reich – auch in der Collm-Region durchgesetzt.
"Oschatz ist mit seinen vielen Zeugnissen wie dem Pranger oder dem abgetrennten Daumen ein kleines Lehrbuch deutscher Strafrechtsgeschichte – halten Sie es in Ehren", legte Lück den Zuhörern ans Herz.

  J. Brechlin  / Foto G.Hunger


Oschatzer Allgemeine Zeitung 11.06.2000

Zum Jubiläum 800 Jahre Oschatz / Heute: Vorbereitung zum Stadtfest
Heimatverein gibt Mogk'sche Chronik raus
Gabriele Teumer vom Vorstand des Oschatzer Heimatvereins hat extra für das Stadtfest ein historisches Foto ihres Geschäftes in der Altoschatzer Straße vergrößern lassen, das sie im Schaufenster ausstellen will.

Oschatz. Für den Oschatzer Heimatverein ist die 800-Jahr-Feier am kommenden Wochenende ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. OAZ fragte das Vorstandsmitglied Gabriele Teumer, was die Heimatfreunde auf die Beine stellen.
Frage: Was bedeutet das Stadtjubiläum für den Oschatzer Heimatverein?
Gabriele Teumer: Zum Jubiläum werden besondere Aktivitäten ins Leben gerufen, die den Oschatzern bewußt machen: wir leben in einer schönen Stadt mit einer attraktiven Umgebung. Das Fest soll dafür die Augen öffnen.
Wie bringen sich die Mitglieder des Heimatvereins in das Stadtfest ein?
Am Freitag, dem 16.Juni, übergeben wir um 17.30 Uhr den Postmeilenstein an die Stadt, dessen Nachbildung auf Iniative unseres Verein angefertigt wurde. Finanziell wurden wir dabei von der Oschatzer Wohnstätten GmbH und der Kreissparkasse Oschatz unterstützt. Außerden geben wir zum Stadtfest die Mogk'sche Chronik raus, an deren Erstellung unser Mitglied Dr. Wolfgang Geisler einen großen Anteil hat.
Was ist die Mogk'sche Chronik?
Friedrich-Wilhelm Mogk war ein verdienter Oschatzer Senator. Er hat aufgeschrieben, wie sich zwischen 1814 und 1853 die politische und wirtschaftliche Situation, aber auch das Wetter in der Stadt gestaltet hatten. Die Chronik hat 130 Seiten und ist mit Lithografien sowie alten Fotografien illustriert. Sie kann in der Oschatz- Information, im Museum und in meinen beiden Geschäften in der Altoschatzer Straße gekauft werden. Im Internet kann die Chronik unter http://www.oschatzdessous.de Rubrik "Aktuelles" bestellt werden.
Gibt es noch weitere Aktivitäten der Heimatfreunde?
Unser Hamburger Mitglied Horst Kohl hat im Internet unter http://www.oschatz-damals.de tolle Hintergrundinformationen erstellt. Und wir gestalten im Festumzug das Bild des VEB Waagenfabrik Oschatz.
Wie wünschen Sie sich das Festwochenende?
Ich würde mich freuen, wenn viele Oschatzer das Fets besuchen und dazu auch vieleehemalige Einwohner der Stadt eingeladen werden. Die Oschatzer sollen an diesem Wochenende merken, dass es sich lohnt, in dieser Stadt zu leben und hier zu bleiben.
es fragte F.Hörügel / Foto: Vision D.H.


Oschatzer Allgemeine Zeitung 08.06.2000

Historische Postmeilensäule aufgestellt
Distanz nach Wermsdorf noch eine Woche geheim

Oschatz. Pünktlich zum anstehenden Stadtfest ist gestern ein Postmeilenstein an der Oschatzer Promenade aufgestellt worden. Der Riesaer Naturstein-Betrieb Rudolf hat in mühevoller Handarbeit aus Cotta-Sandstein diese Kopie des historischen Vorbilds angefertigt. Pläne lieferte dazu die Forschungsgesellsch. Kursächsische Postmeilensäulen Dresden.
Schon seit Jahren hatte sich der Oschatzer Heimatverein für die Aufstellung einer solchen historischen Säule an der Promenade eingesetzt. Das stark beschädigte Original lagert im Stadtmuseum und war nicht mehr zu verwenden, da die Sanierung zu teuer gewesen wäre.
Der Heimatverein konnte mit der Kreissparkasse Torgau-Oschatz aber einen Spender gewinnen, der die Finanzierung der Kopie möglich machte. Mit 2.000 Mark beteiligte sich die Bank am Nachbau der Postmeilensäule. Bis zur offiziellen Enthüllung am 16. Juni bleibt der Stein verhüllt.


Mitarbeiter der Riesaer Firma Rudolf
haben gestern die Postmeilensäule
aufgestellt und anschließend verhüllt