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Mit dem Buch „Oschatz im Krieg 1939 - 1945“ wird in der Reihe „Oschatzer Geschichte(n)“ der letzte Teil der dreiteiligen Aufarbeitung der komplexen Oschatzer Geschichte der Jahre 1928 bis 1945 fertiggestellt.

Herausgeber:
Oschatzer Geschichts- und Heimatverein e.V.

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Mit diesem dritten Teil schließt die Darstellung der Nazi-Herrschaft in Oschatz und Umgebung ab. Mir ist bewusst, dass die von mir gewählte Sichtweise zeitgeschichtlich bedingt ist – subjektiv sowieso. Spätere Generationen mögen manches anders sehen und bewerten. Auch dafür möchte ich mit meiner Arbeit eine Grundlage legen. Ist doch mit diesen drei Heften erstmals ein geschlossener Zeitabschnitt des 20. Jahrhunderts unserer Heimatstadt beschrieben worden.

Die hier behandelten Jahre 1939 bis 1945 entzauberten das Hitler-Regime und brachten Leid, Schmerz und Tod auch nach Oschatz.

Lange hatten die Oschatzer gehofft, dass der „Führer“ in seiner „Genialität und Weitsicht“ die polnische Frage erfolgreich und ohne Krieg lösen würde.

Dieser Krieg, der schnell zu einem Weltenbrand wurde, markierte eine tiefe Zäsur in der Politik des „Dritten Reiches“. Erst im Krieg enthüllte sich die wahre Natur des Nationalsozialismus und der Ziele seines „Führers“. Im Grunde war die Hitler-Bewegung seit jeher auf Krieg ausgerichtet gewesen. Sie war stets in Erwartung des kommenden großen Revisionskrieges, der die Ergebnisse des verlorenen Ersten Weltkrieges endlich korrigieren sollte.

Für die meisten Oschatzer Einwohner war der Krieg bis zum Ende des Jahres 1944 ein räumlich entferntes Geschehen. Es belastete natürlich außerordentlich die Familien, deren Männer, Väter und Geschwister an den verschiedensten Frontabschnitten eingesetzt waren. Jahrgang um Jahrgang der jungen Männer erhielt im Kriegsverlauf die Einberufung zu den verschiedensten Waffengattungen, wenn sie sich nicht gar freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatten. Hart traf es jene Familien, denen durch die Ortsgruppenleiter der NSDAP oder deren Beauftragte die Nachricht vom „Heldentod“ ihrer Angehörigen zuteil wurde. Verwundungen lösten Schrecken, Vermisstenmeldungen ein oft jahrelanges Hoffen und Bangen aus, ob es sich um Tod, Gefangenschaft oder ein Überlaufen gehandelt haben könnte.

Besonders gefreut habe ich mich über die Mitarbeit von Gabriele Teumer an diesem Buch. Sie ist eine ausgewiesene Expertin der Geschichte des in Oschatz beheimateten Kriegsgefangenenlagers StaLag IVb, und sie stellt diese Geschichte hier in einem eigenen Kapitel dar.

Beibehalten habe ich die zusammenfassende Darstellung bestimmter Ereignisse und Sachverhalte in Einschüben in die Chronik.

Ziel unserer Arbeiten zur NS-Zeit ist es, zu erinnern. Der Nutzen der Historie für das Leben besteht heute nicht zuletzt darin, unsere Gegenwart besser schätzen zu lernen. Nicht freilich, um Kontroversen durch vermeintliche „Lehren“ zu ersetzen: Geschichte taugt am besten als Denkanstoß, nicht als Totschlagargument. Aber es soll zumindest eine Warnung sein, unsere Demokratie nicht für selbstverständlich zu halten. Zuversicht ist trotzdem angesagt, denn wir wissen welchen Weg wir gehen wollen.

Wolfgang Michael